Reisefoto des Monats: Diwali – das Lichterfest im goldenen Tempel

Die Lang-Fassung

“Reisefoto des Monats” vom Lichterfest Dewali im Goldenen Tempel von Amritsar

Es ist eine “Ewigkeit“ her, dass ich ein Reisefoto des Monats vorgestellt habe, und das tut mir leid. Es lag nicht daran, dass es keine Fotos gäbe oder ich keine Lust gehabt hätte. Es gab einfach zu viele andere Prioritäten, wie z.B. meine Buchveröffentlichung.

Heute passte aber alles zusammen, und ich bin gerade, bei der Recherche zu etwas anderem, zufällig über ein Foto aus dem November 2018 gestolpert, das mir sehr gut gefällt, und das ich gerne hier vorstellen möchte.

Ich war damals mit meiner Frau zunächst in Kalkutta gewesen, um dort das große Durga Puja Fest zu fotografieren. Dann trennten sich unsere Wege vorübergehend, weil sie eine Ayurvedische Kur in Kerala (Südindien) machte und ich derweil eine Fotoreise im Iran leitete. Anschließend trafen wir uns wieder in Amritsar, im Bundesstaat Punjab, in Norden von Indien. Wir hatten uns dort verabredet, weil wir einerseits noch einmal gemeinsam den Goldenen Tempel dort besuchen wollten. Zwar waren wir 2014 schon einmal gemeinsam dorthin gereist, damals wurde meine Frau jedoch krank und hat den Goldenen Tempel überhaupt nicht gesehen, bevor wir zurück nach Delhi mussten. Ich hingegen war so fasziniert von diesem Ort, dass ich unbedingt noch einmal dorthin und ihn mit ihr gemeinsam erleben wollte. (Inzwischen waren wir übrigens 2020 ein drittes Mal dort).

Als besonderen Termin hatten wir uns das Lichterfest Dewali (eigentlich Depavali) ausgesucht. Unsere Erwartungen waren groß und wurden nicht enttäuscht. Der Goldene Tempel ist ohnehin ein ganz besonderer Ort mit einer unbeschreiblichen Atmosphäre, zu Dewali werden dann aber rund um den heiligen Pool kleine Lichter angezündet und später am Abend auch noch ein großes Feuerwerk entfacht!

Das Lichterfest Dewali

Diwali (auch Divali) oder Dipavali (auch Deepavali), das Lichterfest, ist ein bedeutendes mehrtägiges hinduistisches Fest in Indien, Sri Lanka und Nepal und in anderen vom Hinduismus geprägten Ländern. Das Fest kann auf Grund seiner spirituellen sowie sozialen Bedeutung und seines fröhlichen Charakters mit Weihnachten verglichen werden, und die Nacht mit Silvester. Der Name Dipavali bedeutet auf Sanskrit so viel wie „Lichterkette“. In den nordindischen Sprachen hat sich die Bezeichnung zu Diwali verschliffen.
In den verschiedenen Teilen des indischen Subkontinents wird das Fest sehr unterschiedlich gefeiert, mit vielfältigen Bräuchen und unterschiedlichen mythologischen Bezügen. Je nach Region dauert es zwischen einem und fünf Tagen. Kernaussage des Festes ist der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über den Schatten und des Lebens über den Tod.
Im Sikhismus wird an Har Gobinds (der 6. Guru der Sikhs) Sieg über Jahangir (Herrscher des Mogulreiches) und seine Rückkehr nach Amritsar gedacht.

Quelle: Wikipedia

Was macht die Aufnahme fotografisch interessant?

Die Vorüberlegung / Recherche hatte sich also ausgezahlt: Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber, wie fängt man diese Stimmung fotografisch ein?

Zum einen wollte ich das „Besondere“ des Dewali Festes zeigen, nämlich, dass am Rande des heiligen Pools, der den Goldenen Tempel umgibt, unzählige kleine Lichter angezündet werden – was sonst nicht der Fall ist. Die Lichtstimmung fängt man am besten in der Blauen Stunde ein, wenn das Restlicht der untergegangenen Sonne den Himmel noch blau erleuchtet, die Lichter des Tempels aber schon eingeschaltet sind. Hier ergibt sch dann ach gleich ein schöner Komplementärkontrast der Farben Gelb und Blau. Ich wollte aber auch ein „menschliches Element“ in meinem Bild haben, und zwar gerne einen Sikh mit seinem traditionellen Turban. Denn die Person liefert uns zum einen wertvolle Informationen. Nicht jeder kennt den Goldenen Tempel und weiss sofort, worum es sich handelt. Doch mit dem Sikh im Bild, wissen wir vermutlich gleich Bescheid, wo sich die Szene abspielt (min. Indien). Zum anderen entsteht (mal wieder) durch die Person eine Art „Geschichte“ (siehe …). Last but not least liefert uns das menschliche Element in einem Foto meist auch ein s.g. „Identifikationspotenzial“ – im Gegensatz zu Fotos ohne menschliches Element.

Was mir in der Komposition ebenfalls gut gefällt, sind die verschiedenen Layer, die zur Tiefenwirkung beitragen: Wir haben im Vordergrund am unteren Rand die Lichter, dann den Sikh als Hauptmotiv, den heiligen Pool mit dem Strudel und der Spiegelung im Wasser, der schon in die Unschärfe übergeht, und schließlich den goldenen Tempel und die anderen, umgebenden Gebäude im Hintergrund. Zwar sind der Tempel und die Gebäude durch die offene Blende schon unscharf, aber sie sind noch gut erkennbar und tragen damit zur Bildwirkung bei, ohne zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wir wandern im Bild mit dem Blick zwischen Sikh, Tempel und Kerzen hin und her.

Die Herausforderung und die Aufnahme

Die Herausforderung war, sich in den Menschenmassen zu bewegen und einen Moment und einen Winkel zu finden, in dem alle Elemente zusammen passten. Hinzu kam, dass der Mann sich relativ schnell bewegte (er hatte noch eine Menge Kerzen anzuzünden!). Ich entschied mich für Blende f/4, weil ich genau den oben beschriebenen Effekt erreichen wollte: Er scharf, Hintergrund schon unscharf, aber noch erkennbar. Mehr als f/4 wollte ich nicht aufblenden, weil ich nicht riskieren wollte, dass der Tempel im Hintergrund dann zu unscharf würde. Gleichzeitig wollte ich aber den ISO-Wert möglichst gering halten. Im Ergebnis kam ich dann bei Blende f/4 auf eine 1/50 Sek. und ISO 500. Bei der 1/50 Sek. passte ich lieber einen Moment ab, in dem der Mann einigermaßen still stand. Ich musste bei der Aufnahme die vollen 24mm Weitwinkel meines Zoom-Objektivs ausreizen, um die Elemente so zu kombinieren, wie ich es mir vorstellte. Damit war ich nicht zu 100% glücklich. Besser hätte mir gefallen, 2-3 Schritte nach hinten zu gehen und eine etwas weniger starke Weitwinkel-Brennweite zu nutzen. Dann hätte ich allerdings andere Menschen niedertrampeln müssen. Daher entschied ich mich, mit den 24mm zu leben. 😉

Der „Bildersteckbrief“ (Die Kurzform für Eilige)

Wann und wo entstanden?

  • 07. November 2018
  • Goldener Tempel in Amritsar, Indien

Warum ausgesucht?

  • Thema Recherche
  • Interessantes Motiv
  • Anspruchsvolle Aufnahme-Situation

Die Technischen Details des Fotos

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