Die Lang-Fassung
“Reisefoto des Monats” vom Klosterfest im Karsha Monastery, Zanskar (Ladakh)
Es ist nun schon sehr lange her, dass ich ein Reisefoto des Monats vorgestellt habe. Aber ich komme gerade erst von einer Fotoreise in Kaschmir und Ladakh zurück und bringe mal wieder einige Fotos mit, von denen ich denke, dass sie es wert sind, hier vorgestellt zu werden.
Beginnen möchte ich heute mit meinem Foto, das ich beim Klosterfest im Karsha Monastery im Zanskar-Tal, Ladakh aufgenommen habe.
Klosterfeste sind im Himalaya das Salz in der Suppe, und ich habe in den letzten 20 Jahren viele davon erlebt und fotografiert. Auch das Klosterfest im Karsha Monastery hatte ich schon einmal vor einigen Jahren erlebt und war damals tief beeindruckt: Von den Cham-Tänzen der Mönche, der besonderen Atmosphäre des Festes und dem Karsha Kloster selbst, das nicht nur eindrucksvoll in den Berghang gebaut ist, sondern, von dem aus man auch einen spektakulären Blick über das Zanskar-Tal hat.
Schon bei meinem ersten Besuch machte ich sehr viele Fotos und probierte verschiedene fotografische Ansätze aus. Dazu gehörte auch, auf die Dächer des Klosters zu klettern, um von dort aus Totalen, also Übersichtsaufnahmen, zu machen – ich war nicht der Einzige, und es schien erlaubt zu sein.
Damals hatte ich ein 14-24mm f/2.8 Weitwinkel-Zoom dabei, und die Aufnahmen waren zwar durchaus eindrucksvoll, aber noch nicht ganz das, was mir vorschwebte. Ich wollte – im wahrsten Sinne des Wortes – mehr (zeigen)!
So entstand bereits bei meinem ersten Besuch die Idee, beim nächsten Mal mein Fisheye-Objektiv mitzunehmen, so ich noch einmal die Gelegenheit haben sollte, das Festival zu erleben und zu fotografieren. Und genau das ist dieses Jahr eingetreten!
Und ich finde, es hat sich gelohnt.
Klosterfeste in Ladakh
Die buddhistischen Klosterfeste sind weit mehr als eine Touristenattraktion. Einmal im Jahr werden die Klöster zum Mittelpunkt des Lebens in der Region. Mönche führen die traditionellen Cham-Tänze auf, deren Masken und Kostüme ebenso beeindruckend sind wie ihre symbolische Bedeutung. Gleichzeitig kommen Familien und Freunde aus den umliegenden Dörfern zusammen, verbringen den Tag miteinander und verleihen den Festen eine besondere Atmosphäre, die weit über die religiösen Zeremonien hinausgeht. Zum Fest gehört vielerorts auch ein besonderes Ritual für verheiratete Paare: Frauen und Männer tanzen dabei zunächst in getrennten Gruppen, während Freunde, Verwandte und andere Besucher nach vorn kommen, ihnen weiße Segensschals umlegen und Geld überreichen. So verbinden sich religiöse Tradition, Gemeinschaft und gegenseitige Wertschätzung auf ganz besondere Weise.
Was macht die Aufnahme fotografisch interessant?
Die Vorüberlegung und Recherche hat sich also ausgezahlt: Ich war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern hatte auch das richtige Equipment dabei, um meine fotografische Vision umzusetzen.
Warum ich mehr als die 14mm Weitwinkel wollte? Nur mit einem Fisher-Objektiv war es mir möglich, den gesamten Kontext in einer Aufnahme einzufangen. Ich wollte sowohl den Innenhof des Klosters (in diesem Fall) mit den tanzenden Ehemännern zeigen, als auch die umliegenden Gebäude, wo die Menschen auf die Dächer geklettert sind, um alles sehen zu. Darüberhinaus wollte ich aber auch das Zanskar-Tal im Hintergrund mit den eindrucksvollen Berggipfeln zeigen. Diese Landschaft prägt das Leben der Menschen hier und gehört für mich untrennbar zu dieser Kultur.
Warum kann ein 15mm-Fisheye mehr abbilden, als ein 14mm-Weitwinkel?
Obwohl das Fisheye mit 15 mm eine etwas längere Brennweite hat als das 14-mm-Weitwinkel, bildet es durch seine spezielle optische Konstruktion einen größeren Bildwinkel ab. Das Fisheye verzerrt das Bild bewusst, um mehr von der Umgebung einzufangen, während das 14-mm-Weitwinkel gerade Linien erhält und deshalb trotz der kürzeren Brennweite weniger vom Motiv zeigt.
- Ein Fisheye verzeichnet das Bild stark tonnenförmig und erreicht dadurch einen extrem großen Bildwinkel von bis zu 180° diagonal oder sogar mehr.
- Wohin gegen ein 14-mm-Weitwinkel (Rectilinear) versucht, gerade Linien auch gerade darzustellen. (Stürzen können sie trotzdem). Dafür werden die Bildränder stark gedehnt, wodurch der tatsächliche Bildwinkel kleiner sein kann als beim Fisheye.
Kurz gesagt:
- 15 mm Fisheye = größerer Bildwinkel, mehr Umgebung, starke Verzerrung.
- 14 mm Weitwinkel = kleinerer Bildwinkel, natürlichere Darstellung, gerade Linien.
Die Brennweite ist also nicht direkt mit dem sichtbaren Bildausschnitt vergleichbar, wenn man Fisheye- und rectilineare Weitwinkelobjektive gegenüberstellt.
Die Herausforderung bei der Aufnahme
Im Grunde beschränkt sich die Herausforderung dieser Aufnahme darauf, zunächst die Bildidee zu haben, dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und das entsprechende Equipment dabei zu haben. Und daran wäre das Foto beinahe gescheitert. Denn, ich hatte zwar mein 8-15mm Fisheye-Zoom eingepackt, aber vergessen, auch den notwendigen Adapter einzupacken! Das Objektiv besitze ich noch aus der Zeit, als ich mit Nikon-Spiegelreflexkameras (D4s, D850 etc.) fotografiert habe. Nun fotografiere ich aber seit einigen Jahren nur noch mit spiegellosen Kameras (Z8), und die haben einen anderen Bajonett-Verschluss für die Objektive! Man braucht also einen Adapter, um Objektive, die für Nikon-Spiegelreflexkameras gebaut wurden an einer spiegellosen Nikon zu verwenden. Solch einen Adapter besitze ich auch, habe ihn aber dummerweise nicht eingepackt. Daran hätte mein Bild problemlos scheitern können. Zum Glück hat mir mein indischer Freund Ash ausgeholfen, und für die Aufnahme einen entsprechenden Adapter zur Verfügung gestellt. Die Aufnahme war also nur möglich, „with a Little help from my friend“. Ganz herzlichen Dank noch einmal an dieser Stelle, Ash!
Noch ein letzter Gedanke zu Herausforderungen: Für die Aufnahme bin ich auf das Klosterdach gestiegen. Das ist auf etwa 3.800 Metern, und das Dach hat kein wirkliches Geländer. Um die Perspektive so hinzubekommen, musste ich die Kamera ein Stück über den Rand des Dachs hinaus halten. Das Ganz ist also nicht unbedingt etwas für Menschen mit Höhenangst.
Eigentlich leide ich sogar selbst etwas unter Höhenangst. Aber, wenn es um ein spannendes Foto geht, konnte ich diese schon oft überwinden. 😉
Der „Bildersteckbrief“ (Die Kurzform für Eilige)
Wann und wo entstanden?
- 13. Juli 2026
- Karsha Kloster, Zanskar (Ladakh), Indien
Warum ausgesucht?
- Thema Planung / Equipment
- Interessante Perspektive
Die Technischen Details des Fotos
- Kamera: Nikon Z8
- Objektiv: Nikon 8-15mm f/4.5 mit FTZ-Adapter
- Brennweite: 15mm
- Blende: f/4.5
- Verschlusszeit: 1/640 Sek.
- ISO: 100
- Modus: Manuell mit ISO-Automatik
Wenn Sie selbst einmal dabei sein wollen …
… ist das im kommenden Jahr (2027) gleich zweimal möglich!
Ich werde eine Fotoreise im Juli und eine im August leiten, und bei beiden Fotoreisen erleben wir jeweils auch ein Klosterfest:
Im Juli im Stongdey Kloster und im August im Sani Kloster. Die Details zu diesen Fotoreisen, sowie viele weitere Fotos finden Sie hier:
- Fotoreise nach Kaschmir, Zanskar und Ladakh in Juli 2027
- Fotoreise nach Kaschmir, Zanskar und Ladakh in August 2027
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