“Size matters” – Warum die Sensorgröße bei der Reisefotografie eine wichtige Rolle spielt

In mancher Hinsicht mag die Größe ja vielleicht keine Rolle spielen, beim Kamera-Sensor ist das jedoch der Fall! Die Größe des Sensors hat nämlich (m.u. deutlichen) Einfluss auf folgende Aspekte:

  • Bildqualität – insbesondere bei geringem Licht
  • Auflösung
  • Schärfentiefe
  • Brennweite / Abbildungsmaßstab

Wie hängen Bildqualität und Sensorgröße zusammen?

ISO-Performance

Sehr vereinfacht gesprochen kann man sagen, dass je größer der Sensor ist, desto besser ist (i.d.R.) auch seine “ISO-Performance”. Damit meine ich, wenn eine Kamera über einen großen Sensor verfügt (z.B. Vollformat), dann kann sie auch bei wenig Licht noch gute Bilder machen. Natürlich muss auch eine Kamera mit Vollformatsensor den ISO-Wert hoch ziehen, damit die Belichtungszeit in einem Bereich bleibt, den wir noch aus der Hand halten können, ohne das Bild zu verwackeln. Aber, eine Vollformatkamera kann durch den größeren Sensor mit hohen ISO-Werten gewissermaßen “besser umgehen”. Ich habe mit einer Nikon D4s schon Bilder mit 12.000 ISO gemacht, die ich tatsächlich noch verwenden konnte! Umgekehrt wird allerdings auch ein Schuh draus: Je kleiner der Sensor desto schlechter die ISO-Performance (i.d.R.). Als Beispiel nehme ich da mal die Olympus OM-D EM5 Mark II von meiner Frau. Eine tolle Kamera, die z.T. ganz fantastische Bilder macht. Olympus hat hier einen Four-Thirds-Sensor verbaut. Der ist ca. halb so groß, wie ein Vollformatsensor. Und so sehr ich die Olympus schätze, kommt man in Bereiche von ISO 3200 ist in aller Regel Schluss mit der Bildqualität.

Auflösung

Abhängig ist die ISO-Performance übrigens (u.a.) auch noch von der Auflösung. Also wie viele Megapixel sich den Sensor teilen müssen. Als Faustregel kann man auch hier festhalten, je mehr “Platz” die Pixel auf dem Sensor haben, desto besser wird die ISO-Performance, je mehr Pixel sich auf einen Sensor drängen, desto schlechter wird die ISO-Performance. Diese “Faustformel” ließe sich übrigens noch auf andere Aspekte der Bildqualität erweitern. Vereinfacht gesprochen, bekommt man die beste Bildqualität, wenn die Pixel “Platz auf dem Sensor” haben. Ist der Sensor groß und die Auslösung (vergleichsweise) gering, bekommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sehr gute Bildqualität. Werden viele Megapixel auf einen kleinen Sensor gequetscht, na ja … dann ist oft bei der Bildqualität noch Luft nach oben. Fairer weise muss ich einräumen, dass die Kamera-Hersteller hier immer bessere Maßnahmen (meist Software) entwickeln, um die unerwünschten Effekte bei geringem Licht und/oder hoher Auflösung zu minimieren. Dennoch bliebt als Faustregel: Will ich eine hohe Auflösung, bekomme ich die beste Bildqualität, wenn der Sensor auch entsprechend groß ist!

Wozu ist eine große Auflösung dann gut?

Je höher die Auflösung, desto größer ist ein Bild reproduzierbar. Wenn mein Ziel ist, mein Bild später in hoher Qualität zu drucken, z.B. DIN A1, A0 oder noch größer, dann brauche ich eine entsprechende Auflösung. Wenn ich meine Bilder später lediglich im Internet, z.B. bei Facebook oder Instagram zeige, reicht mir eine entsprechend geringe Auflösung. Eine hohe Auflösung kann allerdings noch aus einem anderen Grund interessant sein: Hat ein Bild eine entsprechend hohe Auflösung, kann ich es in der Nachbearbeitung entsprechend beschneiden (croppen), ohne dass die Qualität sofort sichtbar leidet! Das kann z.B. interessant sein, wenn man eine Person nur im Hochformat porträtiert hat, aber (z.B. für eine Präsentation) ein Querformat braucht. Ist die Auflösung hoch genug, kann man in solch einem Fall das Bild auf ein Querformat beschneiden, ohne das die Qualität sichtbar leidet. Ein anderes (reales) Beispiel ist, wenn man ein Motiv nur im Querformat fotografiert hat und ein Ausschnitt davon als Titelfoto im Hochformat gedruckt werden soll! Wieder ist das Ganze unproblematisch, wenn die Auflösung es hergibt. Ein Beispiel dafür finden Sie übrigens hier … Beim Titelfoto meiner IRAN-Coverstory im Fotoforum Magazin handelt es sich eigentlich um eine Aufnahme im Querformat!)

Sensorgröße und Schärfentiefe

Als Schärfentiefe (alternativ auch Tiefenschärfe) bezeichnet man, wie viel in einem Bild von vorne bis hinten scharf abgebildet wird. Bei manchen Motiven wünscht man sich viel Schärfentiefe, wie z.B. bei den meisten Landschaftsaufnahmen. Bei anderen Motiven möchte man nur einen geringen Teil des Motivs scharf abbilden und der Rest soll unscharf sein. Beispielsweise könnte das bei einem Porträt der Fall sein: Der Mensch (oder wenigstens die Augen) sollen möglichst “knack-scharf” sein, aber der Hintergrund soll gerne schön unscharf sein, damit er nicht vom Porträt ablenkt. Man spricht in diesem Zusammenhand auch manchmal vom „Freistellen“ des Motivs. Erreicht wird eine geringe Schärfentiefe durch eine möglichst offene Blende (und/oder möglichst viel Tele-Brennweite). Der Begriff “Bokeh” wird genutzt, um die Unschärfe zu beschreiben, die ein Objektiv erzeugt. (Objektive erzeugen unterschiedlich “weiche Bokehs”). Tatsächlich spielt hier aber auch wieder die Größe des Sensors eine Rolle …

Je größer der Kamera-Sensor desto, weniger Schärfentiefe ist möglich

Was bedeutet das? Wenn ich eine Vollformatkamera nutze, bekomme ich bei Blende f/2.8 bereits eine sehr geringe Schärfentiefe und ein schön weiches Bokeh. Nutze ich eine Kamera mit APS-C Sensor (Crop-Sensor), ist die Schärfentiefe bei gleicher Blende (f/2.8) nicht so gering, d.h., ich habe mehr Schärfentiefe. Sie entspricht dann dem, was ich bekomme, wenn ich auf der Vollformatkamera eine ganze Stufe abblende, also f/4 nutze. Wenn ich eine Kamera mit Four-Thirds-Sensor nutze, würde ich (bei gleicher Blende f/2.8) noch mehr Schärfentiefe bekommen usw.. Kurz gesagt, je kleiner der Sensor, desto mehr Schärfentiefe bekomme ich – ob ich das will oder nicht. Um eine sehr geringe Schärfentiefe mit einem kleinen Sensor zu erlangen, brauch eich also entweder eine sehr offene Blende und/oder sehr viel Tele-Brennweite. Will man wenig Tiefenschärfe (z.B. als Gestaltungselement), sind die Vollformatsensoren klar im Vorteil!

Und wenn man viel Schärfentiefe will?

Rein theoretisch sind die kleineren Sensoren hier im Vorteil. In der Praxis stellt das für die Vollformatkameras allerdings kein wirkliches Problem dar, weil man einfach entsprechend abblendet, um viel Schärfentiefe zu bekommen. Außerdem will man möglichst viel Schärfentiefe häufig bei Motiven, die dann auch größer abgebildet werden sollen, wie z.B. Landschaftsaufnahmen. Und das bedeutet, ich möchte vermutlich auch eine höhere Auflösung … (s.o.). Ich muss allerdings einräumen, dass durch das Abblenden (in der gegebenen Verschlusszeit) weniger Licht auf den Sensor trifft. Das kann bedeuten, dass der Verschluss entsprechend länger offen bleiben müsste, um entsprechende Schärfentiefe zu erreichen. Ist die Kamera nicht auf einem Stativ montiert, sondern wird aus der Hand ausgelöst, wären hier die kleineren Sensoren tatsächlich im Vorteil. Die Gefahr, eine Aufnahme zu verwackeln, bei der wir möglichst viel Tiefenschärfe haben möchten, wäre bei kleineren Sensoren geringer, da wir weniger weit Abblenden müssten.

Sensorgröße, Brennweite und Crop-Faktor

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Wahl der Sensorgröße ist die Brennweite. Als Maßeinheit für Brennweiten dient uns der Vollformatsensor. Stellen Sie sich folgendes vor: Wenn Sie ein Objektiv mit 100mm Brennweite an einer Vollformatkamera mit 24 Megapixeln nutzen, bekommen Sie Ihre 100mm und der komplette Sensor wird genutzt. D.h. Sie könnten auch die vollen 24 Megapixel Auflösung nutzen.

Würden Sie das gleiche Objektiv an einer Kamera mit Crop-Sensor (APS-C) nutzen, die ebenfalls 24 Megapixel hat, würde zwar immer noch der ganze (kleinere) Sensor genutzt werden, aber Sie würden (im Verhältnis zur Vollformataufnahme) einen kleineren Bildausschnitt bekommen. Dieser Bildausschnitt würde (in etwa) dem entsprechen, was Sie bei der Vollformatkamera bekommen hätten, wenn Sie mit einem 150mm Tele-Objektiv fotografiert hätten. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer “Brennweitenverlängerung” durch den Crop-Faktor. Bei Nikon beträgt dieser 1,5 und bei Canon sogar 1,6. Für diesen (kleineren) Bildausschnitt würden Ihnen aber wieder die vollen 24 Megapixel Auflösung Ihrer (Crop-) Kamera zur Verfügung stehen.

Verwirrend? Ich weiss … Stellen Sie sich einen Ausdruck Ihres Bildes vor, das Sie mit einer Vollformatkamera gemacht haben. Stellen Sie sich nun vor, Sie würden ein Rechteck parallel zu den Bildrändern ziehen, aber um 1/3 kleiner, als die Bildränder. Jetzt beommen Sie eine Idee davon, wie der Bildausschnitt auf der Kamera mit APS-C Sensor (Crop) mit dem gleichen Objektiv (100mm) aussehen würde.

Würden wir das gleiche noch einmal mit einer Four-Thirds-Kamera machen, statt mit einer APS-C Kamera, wäre der Crop-Faktor sogar 2, also 100%. Anders ausgedrückt würde unser Bildausschnitt nur noch 50% des Vollformat-Bildes betragen, weil aus den 100mm Brennweite 200mm geworden sind!

Was bedeutet das für die Praxis?

In Bezug auf die Brennweite kann man (sehr verkürzt) sagen, der Vollformatsensor ist im Vorteil, wenn es um Weitwinkelaufnahmen geht, und die kleineren Sensoren sind im Vorteil, wenn es um Aufnahmen im Telebereich geht.

Einfluss der Sensorgröße auf die Objektive

Die verschiedenen Hersteller bauen Objektive, die für einen bestimmten Sensor gedacht sind. So gibt es z.B. von Nikon ein 50mm Objektiv für Vollformatkameras. Da der Bajonett-Anschluss aber identisch ist, kann man dieses Objektiv auch an einer Kamera mit Crop-Sensor nutzen. Es wird daraus dann jedoch ein 75mm Objektiv, wie oben bereits erklärt. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass Objektive für größere Sensoren auch selbst größer sind! Und nicht nur das, da sie größer sein müssen, wird auch mehr Glas benötigt. Sie sind daher nicht nur größer, sondern auch schwerer und teurer! Je kleiner der Sensor, desto kleiner kann auch das Objektiv gebaut werden. D.h. eben auch leichter und günstiger. Wenn man also ein 50mm Objektiv an einer APS-C / Crop-Kamera nutzt, dass auch für diesen Sensor gebaut wurde, bekommt man es i.d.R. Günstiger, es ist kleiner und leichter, als das Equivalent für den Vollformatsensor. Analog gilt dies entsprechend für die Four-Thirds-Welt …

Wer also in der „Vollformat-Welt“ fotografieren will, kann sich darauf einstellen, viel Geld auszugeben und viel zu schleppen. Aus den oben genannten Gründen, kann sich das meiner Meinung nach dennoch lohnen.

Wie mache ich es?

Grundsätzlich bin ich ein Fan des Vollformats. Aber, je nach dem, was ich fotografieren möchte, nutze ich auch gerne zwei Kamera-Bodies mit verschiedenen Sensoren: Eine Vollformatkamera (z.B. Nikon D850 – oder seit Neuestem die spiegellose Nikon Z6) und eine Kamera mit Crop-Sensor (z.B. Nikon D500). Das ermöglicht mir, meine (durchweg Vollformat-) Objektive unterschiedlich einzusetzen. So wird aus meinem 70-200mm f/2.8 Tele-Zoom z.B. ein 105-300mm Tele-Zoom, wenn ich es an der D500 nutze. D.h., ich bekomme mehr Tele, ohne Lichtstärke einzubüßen, nur weil ich das Objektiv an einer anderen Kamera mit kleinerem Sensor nutze! Gerade, wenn es darum geht, möglichst viel Tele zu haben, ist das ein echter Vorteil. Wenn ich also z.B. Wildlife fotografiere, nutze ich gerne mein 200-400mm f/4 Tele-Zoom ebenfalls an der D500 und es wird daraus ein 300-600mm f/4!

Was sind die richtigen Objektive für die Reisefotografie?

Zum Thema Objektivwahl habe ich hier einen ausführlicheren Artikel geschrieben …

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