Bildvorstellung: Axel Lange “Azadi Tower”

Warum ich dieses Reisefoto ausgesucht habe …

In meiner neuen Bildbesprechung möchte ich diesmal ein Foto von Axel Lange vorstellen. Axel ist ein toller und sehr vielseitiger Fotograf aus Norddeutschland, der mich 2019 auf einer Fotoreise in den Iran begleitet hat. Sein Foto ist auch dabei entstanden.

Was mir besonders an dem Bild gefällt …

Was mich auf Anhieb an Axels Bild begeistert hat ist, dass ihm hier eine ausgewogene Komposition des Azadi Towers in Tehran gelungen ist, in der er ein Symbol des Iran (den Freiheitsturm) mit einem anderen Element kombiniert hat, das ebenfalls symbolisch für den Iran steht, wenn auch auf ganz andere Weise: ein Muslimischer Geistlicher.

Der Azadi-Turm wurde anlässlich des 2500-jährigen Jubiläums der iranischen Monarchie zwischen 1969 und 1971 erbaut. Damals noch unter dem Namen Shahyad-Turm, übersetzt etwa „Denkmal der Schahs“! Nach der Iranischen Revolution von 1979 wurde er dann in Azadi-Turm, also Freiheitsturm umbenannt. Ironischerweise empfinden jedoch gerade viele junge Menschen im Iran ihre Freiheit durch die vielen Regeln, die die Iranische Revolution mit sich gebracht hat, stark eingeschränkt. Zu diesem Hintergrund stellt Axel in seiner Komposition also einen muslimischen Geistlichen, der uns durch sein Gewand schnell an die Mullahs erinnert, die viele der Regeln und Gesetze im Iran eingeführt haben und deren Durchsetzung vertreten. Fairerweise muss ich sagen, dass ich nichts über den Mann im Bild und seine Denkweise/Haltung weiss. Aber, die Elemente in Axels Foto ergänzen sich (nicht nur thematisch) zu einer interessanten und ausbalancierten Komposition, sondern auch durch die sich wiederholende / ergänzende Farbgebung: Die vorherrschenden Farben im Bild des Turms sind Grau und Blau und der Geistliche trägt einen dunkelgrauen Mantel über einem dunkelblauen Gewand und dazu einen weißen Turban. Es wirkt fast, als hätte Axel den Mann dorthin bestellt. Das iTüpfelchen ist für mich, dass der Geistliche auch noch in Richtung Azadi Tower blickt und zwar genauso viel, dass wir seinem Blick Richtung Turm folgen, aber gerade auch noch genug vom Profil sehen, um sein Gesicht erahnen zu können. Perfekt! Und damit bin ich beim nächsten Punkt …

Was man von dem Bild lernen kann …

Axel hat hier aus meiner Sicht zum einen einen sehr guten Blick bewiesen. Er hat einen Standort gewählt, bei dem die Mauern im Vordergrund zu ins bildführenden Linien werden und dadurch einerseits unseren Blick auf den Turm leiten, und andererseits dem Bild zu Tiefe / Plastizität verhelfen. Das ist schon gut, würde aber noch kein “besonderes Bild” schaffen. In Ergänzung hat Axel aber noch etwas anderes bemerkenswertes geleistet, nämlich seinen Sinn für “Antizipation” genutzt. Es gab keine Verabredung zwischen Axel und dem Mann. Axel hatte also bereits seine Bildidee im Kopf und hat antizipiert (vorausgeahnt), wo der Mann sich hin bewegen würde und wann er (Axel) dann auf den Auslöser drücken musste, um seine Bildidee umzusetzen. Dabei hat Axel Geduld und Umsicht bewiesen und seine Aufnahme gut vorbereitet. Das ist es, was zu einem großen Teil großartige Reisefotos ausmacht! Respekt.

Die Details zum Bild

  • Fotograf: Axel Lange
  • Wo aufgenommen: bei einer IRAN-Fotoreise in Tehran
  • Wann aufgenommen: 08. Oktober 2019
  • Kamera: Olympus E-M1X
  • Objektiv: Olympus 1.8/8 mm, mit Einstellung Fisheye-Entzerrung in der Kamera
  • Brennweite: 8 mm
  • Blende: 8
  • Verschlusszeit: 1/2000 s
  • ISO: 200

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