Bildvorstellung: Werner Hötzel “Apocalypse Now”

Warum ich dieses Reisefoto ausgesucht habe …

Werner Hötzel ist hier aus meiner Sicht ein sensationelles Foto gelungen! Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber ich bin fast neidisch, dass es kein Bild von mir ist. 😉 Wenn es meins wäre, würde ich es vermutlich beim World Press Photo Award einreichen. Zu meiner Entschuldigung kann ich vielleicht anführen, dass ich dabei war, als Werner es geschossen hat – und auch wieder nicht dabei war. Verwirrend? Hier kommt die Erklärung …

Zur Geschichte / zum Hintergrund des Bildes

Das Bild hat Werner bei einem s.g. „Pooram“ aufgenommen. Das sind Tempelfeste in Kerala, Südindien, die in unterschiedlicher Größe abgehalten werden. Entstanden ist das Foto gleich am ersten Tag unserer gemeinsamen Fotoreise in Kerala. Ich hatte diese Fotoreise ursprünglich für einen Start am 26. Februar (2020) geplant. Als mir mein Indischer Partner Pradeep dann aber erzählte, dass wir am 25.02. die Chance hätten, ein Pooram mit zu erleben, habe ich – natürlich in Rücksprache mit den TeilnehmernINNEN – die Reise um einen Tag vorverlegt. Das ging zum Glück zu dem Zeitpunkt noch, da wir sehr lange vor dem Start der Reise waren und noch niemand Flüge gebucht hatte.
Ich war deswegen „so heiß darauf“, das Pooram mit zu nehmen, weil ich selbst schon verschiedene Poorams in Kerala erlebt und fotografiert hatte. Daher wusste ich, dass es ein tolles Erlebnis sein, und jede Menge Foto-Motive bieten würde. Denn, bei diesen traditionellen Tempelfesten sieht man reich geschmückte Elefanten, erlebt intensive Trommel-Musik und es kommen alle Menschen aus der Umgebung, um dabei zu sein. Mein Partner Pradeep hatte bewusst die Erwartungen klein gehalten und davon gesprochen, dass es lediglich ein „kleines Pooram“ sein würde. (Je größer und reicher der Tempel, desto mehr Elefanten, Trommler und Publikum). Als wir jedoch dort ankamen, war gleich klar, es wird „gigantisch“. Letztlich waren fast 40 Elefanten und über 100.000 Menschen dort! Und es sollte eine Besonderheit geben, die ich selbst auch noch nicht erlebt hatte: ein großes Feuerwerk zum Abschluss!

Was für ein Einstieg in eine Fotoreise – besonders, wenn Teilnehmer noch nie zuvor in Indien waren! Wir verbachten den Nachmittag und Abend auf dem Pooram. Alle waren begeistert, hatten nette Begegnungen und machten tolle Fotos. Doch, bevor das Feuerwerk los ging (es wurde wieder und wieder zeitlich verschoben), ging einigen Teilnehmern die Luft aus. (Fairer Weise muss ich einräumen, dass das Klima heftig war und sie, nach einer kurzen Nacht im Flugzeug, den Jetlag noch in den Knochen hatten. Daher kümmerte ich mich um einen Rücktransport zum Hotel und verpasste so selbst das Feuerwerk. Eine „bittere Pille“. Aber, so ist es eben manchmal, wenn man in verantwortlicher Rolle ist. Werner gehörte zu den zwei Fotografen, die noch in der gigantischen Menschenmenge fest steckten und dadurch das Feuerwerk erleben und fotografieren konnten. Das Feuerwerk selbst war nicht mit dem zu vergleichen, was wir üblicherweise unter einem Feuerwerk verstehen. Das ganze hatte wohl eher den Charakter einer Artillerie-Attacke … oder von „Apocalypse Now“!

Was mir besonders an dem Bild gefällt …

Für mich ist das Bild, ich scheue mich nicht es zu schreiben, ein Meisterwerk! Das Motiv bietet Drama und Emotion, ist mysteriös, wirft Fragen auf, erzählt eine Geschichte. Und es hat Witz. Und das Foto zeichnet sich durch eine sehr gelungene Komposition und eine interessante Farbigkeit aus und ist technisch gut umgesetzt. Und – es ist völlig einmalig. Ich habe schon sehr viele Bilder in meinem Leben gesehen, auch sehr viele tolle Bilder. Allerdings nur wenig „einmalige“. Viele Bilder sind „wiederholbar“ oder sogar Wiederholungen/Varianten von Bildern, die wir so oder ähnlich schon mal gesehen haben. Als ich Werners Bild zum ersten Mal sah, war ich sofort sehr beeindruckt. Auch, weil ich mich an kein Bild erinnern konnte, dass diesem hier ähnlich war.

Was man von dem Bild lernen kann …

Werner hat viel richtig gemacht, bei seinem „Wahnsinns-Foto“. Angefangen – mal wieder – damit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Immerhin ist Werner ja nicht nur mit nach Kerala gereist, sondern er hat auch bis zum Feuerwerk in den Menschenmassen durch gehalten. Und das nach vielen Stunden in der Hitze und mit Jetlag in den Knochen. Da kann man getrost seinen Hut vor diesem Durchhaltevermögen ziehen! 👍
Und dann die Aufnahme selbst: Werner hat die Kamera hoch über seinen Kopf gehalten, um diese möglichst freie Perspektive zu bekommen – und dabei noch (mittels Klappdisplay bei seiner Nikon D850) solch eine Komposition hin bekommen! Er hat sich für eine 1/50 Sekunde entschieden – und die auch noch (über Kopf) stabil gehalten! Respekt. Der ISO-Wert hätte ja durchaus „Luft nach oben“ gehabt, aber toll, dass es so geklappt hat. Die offene Blende von f/2.8 hätte wegen zu geringer Tiefenschärfe bei dieser Komposition leicht zum Problem werden können. Da er aber mit 24mm schon gut im Weitwinkel-Bereich unterwegs war, hat sich das wieder weitestgehend aufgehoben. Zumal der Schärfepunkt auf den Palmen gut gewählt war. So sind die ersten Handies im Bildvordergrund zwar etwas unscharf, aber immer noch gut zu erkennen. Und nach hinten hat das Bild genug Schärfentiefe, sodass selbst der Tempel im Hintergrund noch scharf genug ist. Und dass, obwohl er ja in weiter Distanz zu der ersten Palme steht. Auch die Belichtung dieses enormen Dynamikumfangs ist Werner fast perfekt gelungen. (Hier hilft natürlich der tolle Sensor der D850). Lediglich im Zentrum des Bildes (und der Explosion) gibt es einen kleinen Teil, wo die Lichter ausgerissen sind. Das ist jedoch nur ein sehr kleiner Schönheitsfehler in einem ansonsten perfekten Bild. Und wenn ich die Umstände bedenke, glaube ich nicht, das ich das besser hinbekommen hätte.

Die Details zum Bild

  • Fotograf: Werner Hötzel
  • Wo aufgenommen: “Pooram” Tempel Fest in Cheruthuruthi, Kerala (Indien-Fotoreise)
  • Wann aufgenommen: 25. Februar 2020
  • Kamera: Nikon D850
  • Objektiv: Nikon 24-70 mm f/2.8
  • Brennweite: 24 mm
  • Blende: f/2.8
  • Verschlusszeit: 1/50 Sek.
  • ISO: 125

Was denken Sie?

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Werners Foto betrachten? Teilen Sie meine Begeisterung oder sehen Sie das ganz anders? Lassen Sie uns gerne daran teilhaben und schreiben Sie Ihre Gedanken unten in das Kommentarfeld.

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