Bildbesprechung: Wolfgang Kürner “Die Sonne im Netz”

Warum ich dieses Reisefoto ausgesucht habe …

Sicher kennen einige von Ihnen den Begriff „decisive moment“, den der berühmte französische Fotograf Henri Cartier-Bresson geprägt hat!? Cartier-Bresson war (u.a.) ein berühmter Street-Fotograf und der Überzeugung, dass es für Fotografen diesen „entscheidenden Moment“ gibt, der ein wirklich gutes Foto ausmacht. Und dabei geht es oft um Sekundenbruchteile. Aus meiner Sicht ist Wolfgangs Bild ist solches Foto.

Was das Bild so besonders macht …

Ich weiss noch, wie wir gemeinsam an der „U Bein Bridge“ in der Nähe von Mandalay (Myanmar) waren, und diesen Fischer dabei fotografierten, wie er bei Sonnenaufgang sein Netz auswarf. Das tat er zwar mehrfach, dennoch gab es nur wenige Chancen, dieses Bild zu machen, denn ständig veränderte sich, durch die Bewegung seines Bootes, seine Position zur Sonne. Auch stieg die Sonne selbst relativ schnell am Himmel empor und wir waren durch Hindernisse am Ufer in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Kurz gesagt, es gab Chancen, das Motiv einzufangen, aber man musste ziemlich schnell (re-)agieren. Ich selbst ging mit dieser Herausforderung so um, dass ich meine Kamera auf den Serienbildmodus einstellte. Das bedeutet, dass man die für die jeweilige Kamera maximale Bildfolge pro Sekunde schiesst. Die Hoffnung ist also, dass das eine perfekte Bild dabei sein wird … Tatsächlich sind mir auch einige sehr ordentliche Bilder gelungen. Aber Wolfgang hat mit seinem Bild den „perfekten Moment“ eingefangen! Ich empfinde das natürlich so, weil bei seiner Komposition die aufgehende Sone genau an der richtigen Stelle im Wurfnetz des Fischers platziert ist. Es wirkt, als wenn der Fischer die aufgehende Sonne selbst fangen würde. Und damit wird aus einem schönen Motiv („Fischer mit Wurfnetz vor aufgehender Sonne“) ein geradezu poetisches Foto.
Nun könnte man natürlich annehmen, da hat Wolfgang einfach Glück gehabt, dass er im richtigen Augenblick abgedrückt hat. Aber, da ich Wolfgang und seine Arbeiten schon länger kennen, (er war schon öfter mit mir unterwegs), habe ich eine andere Hypothese: Ich glaube, es hatte bereits die Vision des Bildes Im Kopf. Und dann mag vielleicht noch „das Glück des Tüchtigen“ dazu gekommen sein. Das bleibt Wolfgangs Geheimnis. 😉

Was man von dem Bild lernen kann …

Mein eigenes Learning ist, dass ich mich nicht mehr von einem tollen Motiv so einnehmen lassen möchte, dass ich mich „auf die Technik verlasse“ (schnelle Bildfolge). Denn, auch wenn mir selbst einige gute Aufnahmen gelungen sind, fehlte mir doch Wolfgangs Vision. Und die – davon bin ich überzeugt – hebt sein Foto auf ein anderes Level, als meine eigenen.

Die Details zum Bild

  • Fotograf: Wolfgang Kürner
  • Wo aufgenommen: U Bein Bridge Mandalay, Myanmar-Fotoreise
  • Wann aufgenommen: 18.Januar 2018
  • Kamera: Nikon D750
  • Objektiv: AF-S Nikkor 24-70mm f/2.8
  • Brennweite: 48 mm
  • Blende: f/5.6
  • Verschlusszeit: 1/1000 Sek.
  • ISO: 400

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